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Von der Schnapsidee zur Zugspitze – Mein allererstes Trailevent

Es war keine wohlüberlegte Entscheidung. Kein lang gereifter Traum. Eher eine dieser berühmten „Was, wenn wir einfach…?“-Ideen, geboren aus einem einzigen Moment der Begeisterung – oder des Wahnsinns. Aber manchmal sind es genau diese spontanen Eingebungen, die unser Leben um ein unvergessliches Erlebnis bereichern.

Der Ursprung einer verrückten Idee

Wie kommt man als zweifache Mama, mit Teilzeitjob und einem Neubau samt zahlreicher offenen Baustellen überhaupt auf die Idee, sich für eins der bekanntesten Trailrunning Events Deutschlands anzumelden – den Zugspitz Ultratrail?

Die Antwort: Wir haben von unserem Partner Salomon zwei Startplätze gesponsert bekommen. Weil sich sonst niemand finden ließ, fasste ich mir ein Herz und stellte meiner liebsten Laufpartnerin Verena die Frage aller Fragen: „Wollen wir das wirklich tun?“ Ihre Antwort kam ohne Zögern – Feuer und Flamme von der ersten Sekunde. Und so nahmen wir die Startplätze dankend an. An dieser Stelle ein riesengroßes Shoutout an Tobi von Salomon – danke, dass ihr uns dieses unglaubliche Erlebnis ermöglicht habt!

Flatlay Outfit und Ausrüstung

Wenn der Weg zum Trail bereits ein Kraftakt ist

Mitten im Alltagswahnsinn – zwischen Kinderbetreuung, Job, Haushaltschaos und schiefer Bodenplatte – meldete ich mich also für den ZUT an. Mein Mann unterstützte mich, wo er nur konnte, schaufelte mir Trainingszeit frei, hielt mir den Rücken frei. Und doch: der Trainingsstand war… sagen wir mal: ausbaufähig.

Dann kam der nächste Dämpfer: Verena musste verletzungsbedingt passen. Diagnose: Knorpelschaden, absolutes Laufverbot. Aus. Vorbei. Der Traum zerplatzte für sie – zumindest vorerst. Doch dann sprang meine liebe Nachbarin Stephie ein. Eine genauso sportverrückte Seele wie Verena. Ohne großes Zögern sagte sie: „Klar, ich bin dabei!“ Und so ging es mit einem neuen Duo weiter Richtung Abenteuer. Unser Ziel: ankommen, genießen, erleben – ganz ohne Leistungsdruck.

Zwischen Baybachklamm und Bergvisionen

Die härteste Trainingseinheit bis dahin: eine Runde auf der Traumschleife Baybachklamm, geführt von Frank. „Nur“ 10,5 km – aber mit Höhenmetern, die uns bereits ordentlich forderten. Der ZUT würde da noch eine ganze Schippe drauflegen – mehr als 300 zusätzliche Höhenmeter. Da wusste ich: Das wird kein Spaziergang.

Freitags ging’s dann los. Im Auto Richtung Garmisch. Und Verena? Die ließ sich den Spaß nicht nehmen – sie fuhr kurzerhand als unsere persönliche Cheering Squad mit. ❤

ZUT Grainau Trail vor dem Start
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Die große Stunde: Start in Grainau

Vor dem Start hieß es erst mal: Ausrüstungscheck. Pflichtausrüstung für alpines Gelände – von wasserdichter Jacke bis Notfallset, von GPS-Track bis Pfeife. Und ja, wir haben wirklich alles brav eingepackt. Sicherheit geht vor – man weiß nie, was einen erwartet oder passiert.

Noch 20 Minuten bis zum Start. Die Sonne brannte, 31 Grad. Die Stimmung war eine Mischung aus Vorfreude, Anspannung – und dem Wunsch, jetzt einfach kurz ins kühle Nass zu springen.

Und dann – kurz bevor es losging – ein absoluter Gänsehautmoment: Unsere Familien standen da, jubelten, riefen unsere Namen. Diese Energie, dieser Rückhalt, dieser Stolz in ihren Gesichtern – das beflügelte uns mehr als jedes Aufwärmprogramm. Mit dieser Kraft in den Beinen und dem Herz voller Freude ging es endlich los.

Um 12 Uhr fiel der Startschuss, begleitet von „Highway to Hell“. Ich schwöre, bei diesen Temperaturen war das die perfekte musikalische Untermalung.

750 Höhenmeter – und nur "ein" Anstieg

Nach 2 Kilometern kam er: der Anstieg. Unten am Hang stand ein junger Mann mit einem Schild: „Nur noch 1 Anstieg“. Klingt harmlos. Dumm nur, dass es noch 750 Höhenmeter waren. Kein Klacks, eher ein echter Klopper.

Die Sonne brannte gnadenlos. Ich musste mehrfach anhalten, im Schatten durchatmen, den Puls runterfahren. 6 Kilometer ging es bergauf – gefühlt endlos. Aber dann – endlich – das Plateau. Adrenalin. Glücksgefühle. Und die erste Verpflegungsstation, wie eine Oase in der Wüste.

Von dort aus ging es abwärts, zurück Richtung Garmisch-Partenkirchen. 4 Kilometer Downhill. Und ja, auch das war eine Herausforderung – aber getragen von der Euphorie und dem Wissen: Wir schaffen das!

Zieleinlauf und Gänsehaut – nochmal

Als wir auf die letzten Meter einbogen, hörten wir sie schon: Jubel, Applaus, Anfeuerungsrufe. Familie, Freunde, Zuschauer – alle standen sie da. Und Stephie und ich? Wir liefen. Wir liefen wirklich ins Ziel. Und genau wie am Start überkam mich erneut dieser Gänsehautmoment. Als ich meine große Tochter entdeckte und wir gemeinsam die Ziellinie überquerten, wusste ich: Das war der perfekte Finish. Besser hätte ich es mir nicht träumen können.

Grainau Trail vor dem Start
Grainau Trail Finisher

Ein Blick auf die Berge – und ins Herz

Die Landschaft war atemberaubend. Wenn ich mir etwas gewünscht hätte, dann: mehr Zeit und mehr Puste, um diese Natur mit allen Sinnen zu genießen. Wunderschöne Panoramaaussichten begleiteten uns den ganzen Weg. Man konnte sogar kleine Bäche und Wasserlöcher nutzen, um die Kappe nass zu machen und den Kopf zu kühlen – kleine, erfrischende Momente mitten in der Hitze des Laufs. Aber selbst da nahm man sich irgendwie nicht wirklich die Zeit, das bewusst zu genießen. Der Fokus lag auf dem nächsten Schritt, dem nächsten Anstieg, dem Durchhalten.

Beim nächsten Mal nehme ich mir dafür mehr Zeit. Versprochen.

Fazit: Mehr als nur ein Lauf

Es war mehr als ein Lauf. Es war ein Abenteuer, ein Erlebnis, ein Beweis dafür, dass man manchmal einfach springen muss – auch wenn man nicht weiß, ob die Flügel schon stark genug sind. Und weißt du was? Wir sind über uns hinausgewachsen.

Zwischendurch – als wir gefühlt nur schleppend den Berg hochkamen, als die Sonne uns die Energie aus dem Körper sog und jeder Schritt schwerer wurde – fragte ich mich ernsthaft, ob wir es überhaupt in dem 4-Stunden-Zeitlimit schaffen würden. Insgeheim rechneten wir mit irgendwas zwischen drei und dreieinhalb Stunden, wenn alles halbwegs gut lief.

Doch dann: die große Überraschung im Ziel. Wir hatten nicht nur durchgehalten – wir kamen tatsächlich unter drei Stunden an. Eine Zeit, mit der wir nie gerechnet hätten. Eine Zeit, die uns bewies: wir können mehr, als wir glauben.

To be continued…

Das nächste Event kommt bestimmt. Vielleicht sogar eine längere Strecke. Wer weiß? Aber eines ist sicher: Verena hat noch eine Rechnung offen. Die Berge warten auf sie– und ich würde gerne an ihrer Seite sein, wenn sie wieder losläuft. 💚

Bergsee Grainau